Leserbrief in den Hülser Mitteilungen zum Thema Rassismus

Rassismus und Gewalt Lieber Herr Oreja, den o.g. Text findet man auch auf einem Schild am Eingang der Fussbalplätze hier in Hüls. Aber ich glaube es wäre zu überlegen das Schild abzunehmen. Ich möchte Ihnen gerne meine bedauerliche Geschichte vom Dienstag, dem 21.05.2019 ca. 19:30 Uhr mitteilen. Auf meinem regelmäßigen Abendspaziergang sind mir drei Jugendliche (ca. 14-16 Jahre) auf Mountainbikes entgegen gekommen. Einer der drei hielt es für angebracht mich, als afrodeutsche Hülser Bürgerin, 2 x als "Nigger" zu beschimpfen, während er mit seinem Kumpels an mir vorbei radelte begleitet von hämischem Lachen über seinen "coolen" Spruch und natürlich dem vermeindlichen "Schweigen" seiner zwei Kumpels in dieser Situation. Ich habe über entsprechende Recherche ermittelt, dass es sich hierbei wohl möglicherweise um junge Hülser Fussballer handelt die am Dienstag Training haben. So bin ich also heute um 19:00 Uhr zum Sportplatz, um über den Dialog mit dem zuständigen Trainer das Thema möglicherweise besprechen und klären zu können. Leider hatten am heutigen Dienstag jedoch nur sehr kleine Kinds Fussball Training und ich bin unverrichteter Dinge wieder gefahren. Daher wende ich mich heute an Sie als Abteilungsleiter um mit Ihnen das Thema zu besprechen. Das Grundgesetzt hatte vor wenigen Tagen seinen 70. Geburtstag und es heißt dort bereits im Artikel 1: Die Würde des Menschen ist unantastbar... ...als Grundlage jeder menschlichen Gemeinschaft, des Friedens und der Gerechtigkeit in der Welt. Ich achte dies und alle anderen Gesetzte des Landes und erwarte das auch von meinen Mitmenschen. Ich lebe jetzt seit über 10 Jahren in Hüls und möchte am Abend beim Spazierengehen nicht beschimpft und beleidigt werden und habe mich daher entschlossen, Ihnen eine Mail zu diesem Vorfall zu schreiben. Es wäre sehr freundliche wenn Sie mir eine Antwort zukommen lassen, selbstverständlich stehe ich Ihnen auch für ein persönliche Gespräch oder Telefonat zur Verfügung. Vielen Dank! Mit freundlichem Gruss Félicité Reinhardt-Wiesenmüller

Reaktion des 1. Vorsitzenden D. Schoeps

Zum Leserbrief „(K)ein Platz für
Rassismus?“
vom 14. Juni 2019
Mit höchster Betroffenheit musste ich am vergangenen Freitag den Leserbrief zur
Kenntnis nehmen. Nach einer gewissen „Schockstarre“ versuchte ich dann, zügig
Kontakt zu Frau Reinhardt-Wiesenmüller aufzunehmen und erreichte sie telefonisch
am Samstagnachmittag, nachdem ich ihr bereits am späten Freitagabend eine E-
Mail zukommen ließ.
Im Namen des Vereins habe ich Frau Reinhardt-Wiesenmüller in aller Form um Verzeihung
gebeten, ihr versichert, wie überaus beschämt wir über das Geschehene
sind und sie ersucht, die vorgetragene Entschuldigung anzunehmen. Die erkennbar menschliche
Größe sowie die verbindenden, sogar entgegenkommenden Worte, mit denen Frau
Reinhardt-Wiesenmüller reagierte, haben mich tief und nachhaltig beeindruckt.
Wir distanzieren uns vorbehaltlos von abwertenden und verachtenden Äußerungen
gegenüber anderen Menschen. Rassistisches Gedankengut und davon ausgehendes
Handeln haben keinen Platz in unserem Verein. Selbstverständlich wird von uns
alles erdenklich Mögliche unternommen, damit sich ähnliche Vorfälle nicht wiederholen.
Wir freuen uns über jedes (auch neue) Mitglied, ob aus Hüls, aus Krefeld
oder von einem anderen Kontinent kommend; egal aus welchem Kulturkreis, welcher Sprache
und welcher Hautfarbe.
Ich bin mir absolut sicher, dass jedes unserer Vereinsmitglieder die vorstehenden
Ausführungen unterschreiben würde!
Hülser Sportverein
Dietmar Schöps

Reaktionen darauf

Ich möchte mich bei der Hülser Mitteilung für die Veröffentlichung meines Leserbriefes bedanken. Auch für die zahlreichen Reaktionen von Hülsern, in denen mir Entrüstung und Bedauern über das Geschehene mitgeteilt wurden. Im besonderen möchte ich mich jedoch beim 1. Vorsitzenden des HSV Herr Schöps bedanken. Er hat mich am Samstag der vergangenen Woche persönlich angerufen, sich von dem Verhalten der Vereinsmitglieder distanziert und sich bei mir für diesen bedauerlichen Vorfall im Namen des HSV entschuldigt. Mir hat dieser Anruf sehr viel bedeutet und ich bedanke mich daher auch noch einmal öffentlich dafür. Das hat nicht nur Stil sondern zeugt von einer klaren Haltung, und das ist heutzutage einfach sehr selten. Danke! Mit freundlichen Grüßen Félicité Reinhardt-Wiesenmüller